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Noch immer Aufzeichnungen auf Pergament

In der Nacht von Sheranjas Tod schmiedeten wir Pläne, wie wir weiter vorgehen wollten. Doch einen richtigen Plan konnten wir zu der späten Stunde nicht mehr fassen. Wir teilten wie die Nächte zuvor Wachen ein, die vor Arissas Tür wachen sollten.
Am nächsten Morgen ritt ich zum HESindetempel ritt um der Tempelvorsteherin den Diebstahl meines Buches des Schlange bekanntzugeben. Während ich dort weilte, geschah einiges in der Villa: Arissa erschien erneut nicht zum Essen. Besorgt klopfte Sanfir, doch niemand antwortete. Noch bevor die Hausdame angehalten werden konnten uns das Zimmer zu öffnen, hatte Sanfir das Schloss der Tür geknackt und durchsuchte den Raum. Zusammen mit Thogrim und Sadonos fand er im Kamin einen Geheimgang, der ins Kaminzimmer im Erdgeschoss führte. Die Donna machte wieder einen ihrer Ausflüge. Als sie am Vormittag auftauchte, gestand sie, allein ausgeritten zu sein um in Ruhe ihrer Schwester zu trauern. Den Tag über verbrachten wir damit, Pläne zu schmieden um Dom Furro das Handwerk zu legen, doch keiner schien gut genug zu sein.
Am Abend fand die Trauerfeier statt. Sie wurde aus einer Mischung von liebfeldischer und thorwalscher Sitte abgehalten: Die Trauergäste ?nahezu alle Personen, die Tags zuvor auch der Ratsversammlung beigewohnt hatten- trugen weiße Masken, der Leichnahm wurde auf einem brennenden Schiff dem Meer überlassen. Anschließend fand in der Villa ein Festmahl zu Ehren der Verblichenen statt. Es war festlich gedeckt worden und zu getragener Musik wurde gar getanzt. Mir gelang es, mit Dom Furro einen Tanz zu wagen. Seine Tanzart spiegelte sein auftreten wieder: energisch und sicher, aber auch überheblich. Während des Tanzes warfen wir uns so mache Spitze zu, doch dann war der Tanz beendet. Es war Mitternacht, die Musik wurde unterbrochen und die Ensignia von Gebein ergriff das Wort und einen Pokal. Sie erinnerte an das Rennen und trank dann auf die Kaiserin. Auch der Kapitan ergriff den Pokal und trank auf die Kaiserin. Welch eine offene Provokation in Anwesenheit Dom Furros ! Dann ergriff Allana den Pokal und trank auf die Göttin Rondra. Doch noch bevor sie den Wein schlucken konnte, brach die Ensignia röchelnd zusammen. Auch der Kapitan brach zusammen. Die Herrin Hesinde hatte Alanna an diesem Abend mit einem geschwinden Geist gesegnet: Gift ! Sie spuckte den Wein aus und erbrach sich. Den anderen beiden erging es schlechter: Der Kapitan wurde in den HESindetempel gebracht, doch für die Ensignia war alles zu spät, sie verstarb noch in der Halle.
Natürlich wurde das fest daraufhin aufgelöst. Zusammen mit Sadonos war es mir möglich, das Gift zu bestimmen: Tulmadron, ein teures, seltenes und sehr tödliches Gift aus Maraskan. Wie es möglich war den Wein zu vergiften, ist uns noch nicht klar. Allerdings glaube ich gesehen zu haben, wie kurz vorher etwas durch die Luft schwebte. Doch was war das ? Dämon, Geist oder Elementar ? Oder konnte jemand das Gift in den Raum teleportiert haben ? Wir werden das noch genauer besprechen müssen. Wir zogen uns zurück, während Sanfir, Gulmartock und Thogrim den Kapitan und Arissa zum Hesindetempel begleiteten. Thogrim und Gulmartock kamen zurück, doch Sanfir blieb noch beim Tempel. In der Zeit hatte ich beschlossen, am Rennen teilzunehmen. Nun da weder der Kapitan noch die Ensignia antreten konnte, benötigte Alanna jemanden, der ihr den Rücken freihielt. Zudem hatte der Kapitan uns diese Aufgabe persönlich übertragen. ?Nun liegt es an euch !? hatte er geröchelt, bevor er in den Hesindetempel gebracht wurde. Sanfir kehrte zurück und er hatte wahrlich Neuigkeiten ! Er hatte nicht nur das Versteck des Bundes der Neun entdeckt, sondern wusste auch, wer dessen Mitglieder sind: Neben Dom Furro, drei Magiern und weitern Personen zählte auch Arissa zu ihnen. Sofort wurden Pläne geschmiedet und wieder verworfen, denn Arissa hatte den Auftrag erhalten, die unsere Teilnehmer des Rennens zu ermorden.
Schließlich schliefen Alanna und ich noch einige Stunden, um im Morgengrauen in die Garnison zu gehen und uns dort auf das Rennen vorzubereiten. Derweil hatten Safir und Sadonos das Versteck des Bundes erneut aufgesucht und dort unsere gestohlenen Sachen gefunden. Um unsere Gegner aber in Sicherheit zu wiegen, ließen wir die Sachen vorerst dort.
Wir selbst waren zu wenige, um es mit neun Gegner anzulegen. So kam ich auf die Idee, in Dom Cedor unseren Verbündeten zu suchen. Sanfir besprach alles mit ihm, während ich das Pferd der Ensignia proberitt. Es war ein prächtiges Schlachtross, mit dem ich es zu schaffen hoffte, im Mittelfeld des Rennens mitzureiten und Alanna den Sieg zu ermöglichen.
Am Mittag war es so weit: in leichter Reitkleidung und mit dem Dolch des Adlerordens an der Seite ritten wir an den Start. Alanna und ich waren die einzigen, die die Farben und die Standarte der Kaiserin trugen. Das hätte ich auch nie gedacht: Alanna reitet für die Kaiserin !
Unsere Konkurrenten waren Rondrageweihte, Mitglieder der leichten Reiterei und neben Dom Furro auf seiner Shadifstute auch zwei weitere Reiter in den Farben der Oikaldikis. Das würde ein hartes Rennen werden. Das Startsignal wurde gegeben und wir preschten los. Dom Furro, seine Begleiter und Alanna kamen am besten weg, ich begann das Rennen ruhiger. Ein Schlachtross hat seine Stärke in der Ausdauer und nicht im plötzlichen Sprint. Zudem erschienen mir die engen Gassen und das Kopfsteinpflaster sehr gefährlich. Das sollte sich bald auszahlen: In der Fischergasse kam es zu einem Sturz, Phex sei gedankt war er hinter mir. Furro und seine Mitstreiter führten das Feld weiter an, doch ich konnte mich mit einigen anderen vom Hauptfeld lösen und sah Alanna vor mir, wie sie in einer weitern Kurve die Kontrolle über ihr Pferd verlor und in einige Fässer krachte. Ich konnte mich vom Verfolgerfeld absetzen und war nun gut einen Steinwurf hinter dem Dom, als wir Neetha verließen und auf die offene Streck vor der Stadt kamen. Gut fünfzehn Meilen lagen nun vor uns. Eng schmiegte ich mich an den Hals des Rosses, um so schneller zu sein, aber auch um etwaigen Heckenschützen ein kleineres Ziel zu bieten. Plötzlich hob Dom Furro die Hand und hielt sein Pferd an. Sollte ich überholen ?. Doch wie ich Furro einschätzte, war dies eine Falle. Und ich sollte recht behalten! Kaum bremste auch ich mein Pferd, schoss ein Pfeil über den Weg. Dom Furro preschte davon und auch ich gab meinem Pferd die Sporen. Die Verfolger holten wieder auf. Ich blieb dem Dom auf den Fersen und langsam machte sich die Wahl meines Pferdes bezahlt, denn ich holte mehr und mehr auf. Dann sah ich Sanfir an der Strecke der mir zujubelte. Zusammen mit den anderen wollte er die Strecke überwachen und Dom Furros Spießgesellen ausschalten. Mir gelang es gar, Furro zu überholen, da seine Stute schon arg angestrengt war. Sadonos erschien auf seinem Pferd eben mir, als ich vor mir einen Kerl mit einer Armbrust auf mich zielen sah. Ich drückte mich noch enger an das Pferd und betet zu Herrin Hesinde, Rondra und Phex, dass mich der Kerl nicht treffen würde. Und tatsächlich traf er mich nicht, sein Bolzen streifte aber meine Ross, welches ich nur schwer unter Kontrolle bringen konnte. Doch noch führte ich. Ich schaute mich erneut um und sah Alanna, wie sie nah an Furro herankam. Doch da drohte schon neuer Ärger: Ein Trupp Männer versuchte, den Weg mit einem Wagen zu blockieren, den sie mir in den Weg schoben. Ich gab meinem Pferd die Sporen und sandte ein Stoßgebet gen Alveran, dass ich rechtzeitig die Passage meistern würde. Und es gelang ! Als ich mich umsah, sah ich Alanna, wie sie mit ihrem Streitross über die Deichsel des Wagens sprang. Von Furro war nichts zu sehen. Ich verlangsamte meinen Ritt etwas, damit die Freifrau zu mir aufschließen konnte. Gemeinsam preschte wir über die neue Thaliomelbrücke. Da rief Alana, das Furro hundert Schritt hinter uns war. Nach dieser kleinen ?Erholung? für unsere Pferde erhöhten das Tempo wieder und erreichten die Stadt. Das Ziel war fast erreicht, und ich verlangsamte men Pferd, dami die Löwin von Grangor den Sieg im Namen der Donnergöttin erringen konnte. Doch sie lehnte ab. Ich sollte für das Kaiserreich gewinnen. Es war nicht der richtige Zeitpunkt für Diskussionen, den Furro tauchte vierzig Schritt hinter uns auf. Also ritt ich - im Sattel stehend- zuerst durch das Ziel. Das Volk jubelte und so ritt ich zu der Standarte der Kaiserin und stieß sie vor der Ehrentribüne des Prinzen in den Boden. ?Für das Reich, die Kaiserin und Ensignia von Gebein?. Doch mein Ruf ging im Jubel unter. Mit beherrschter Mine erklärte mich der Prinz zur Siegerin des Rennens.
Und während Rondrageweihte meinen Körper wuschen, mich in Thaliomels Rock kleideten und mich die Tugenden der Donnernden durchfuhren, war von Furro nichts zu sehen.
Ich hatte das Rennen gewonnen, ein Rennen, in dem ich mir kaum ein Chance ausgerechnet hatte. Dom Furro, seinen Mitverschwörern und dem Prinzen hatten wir die Möglichkeit genommen, das Volk gegen das Reich aufzustacheln.
Doch noch bestand eine weitere, große Gefahr. Sanfir hatte am Abend belauscht, dass der Bund der Neun vorhatte, Prinzesin al Dare zu entführen. Doch das Problem konnte warten. Ich genoß es, endlich wieder einmal einen wahren Sieg errungen zu haben und wollte nur feiern !



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